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Specialized Pro-Resolving Mediators (SPMs)
Specialized Pro-Resolving Mediators (SPMs) sind eine Klasse
körpereigener Moleküle, die aus essenziellen Omega-3-Fettsäuren
wie EPA und DHA gebildet werden. Ihre Aufgabe ist nicht
das Blockieren von Entzündungen, wie bei Kortison oder Entzündungshemmern
der Fall, sondern das aktive Steuern und Beenden von Entzündungsprozessen.
Die Auflösung von Entzündungen, die sog. Resolution
ist ein aktiver und komplexer Prozess, bei dem der Körper
Gewebeschäden repariert und die ursprüngliche Funktion wiederherstellt.
Dies geschieht durch die Einleitung von Heilungsmechanismen,
bei denen die spezialisierten Mediatoren eine wichtige Rolle
spielen.
Das Konzept der Specialized Pro-Resolving Mediators markiert
einen klaren Paradigmenwechsel. Es geht nicht darum, den
Körper an einer (chronischen) Entzündungsreaktion zu hindern,
oder diese zu unterdrücken, sondern ihn dabei zu unterstützen,
seine eigenen, ausgeklügelten Heilungsprogramme erfolgreich
durchzuführen.
Die therapeutische Relevanz
von Specialized Pro-resolving Mediators
Bei verschiedenen chronischen Entzündungskrankheiten liegt
die Lösung darin, die aktive Auflösung der Entzündung
zu unterstützen und somit zur Wiederherstellung der
Gewebehomöostase beizutragen, ohne dabei eine breite Immunsuppression
zu verursachen. Da anhaltende und unkontrollierte Entzündungen
eine zentrale Rolle bei vielen Krankheiten spielen – wie
kardiovaskulären und neurodegenerativen Erkrankungen sowie
dem metabolischen Syndrom u. a. – werden SPMs als vielversprechende,
zukünftige, gezielte therapeutische Mittel betrachtet.
Auch bei den meisten "Umwelterkrankungen"
und Allergien spielen chronische Entzündungen eine maßgebliche
Rolle.
Im Folgenden werden die potenziellen therapeutischen Anwendungen
von SPMs bei spezifischen chronischen Erkrankungen dargestellt,
basierend auf den vorliegenden Studien zum Thema.
SPMs sind Endprodukte der Omega-3-Fettsäuren (wie Eicosapentaensäure
(EPA) und Docosahexaensäure (DHA) nach der enzymatischen
Umwandlung im Körper und umfassen Lipoxine, Resolvine,
Protectine und Maresine.
Förderung der Entzündungsresolution
SPMs steuern aktiv die Resolution von Entzündungen, reduzieren
Schmerzen und fördern die Geweberegeneration. Aktuelle Forschung
deutet darauf hin, dass SPMs, die Grundlage für neue therapeutische
Ansätze zur Behandlung von entzündungsassoziierten Erkrankungen
und zur Stimulierung der Geweberegeneration bieten könnten.
Relevanz bei spezifischen
chronischen Entzündungskrankheiten
SPMs besitzen eine potente analgetische Wirkung (Schmerzlinderung)
für entzündliche, neuropathische und sogar für Krebsschmerzen.
Sie können somit neue therapeutische Ansätze zur Prävention
und Behandlung von entzündungsbedingten Schmerzzuständen
bieten.
Cofaktoren
Für die Umwandlung von Omega-3 und die SPM-Synthese benötigt
der Körper Enzyme und Mikronährstoffe. Dazu zählen
vor allem Zink, Magnesium, Vitamin
B6, B3, Biotin und Vitamin C.
Lebensstilfaktoren - Ein hoher Cortisolspiegel hemmt nachweislich
die Synthese und kann sich negativ auf das gesamte entzündliche
Milieu im Körper auswirken.
Silent Inflammation
„Silent Inflammation“ (stille Entzündung) ist ein seit Jahren,
wenn nicht Jahrzehnten feststehender Begriff in der englischsprachigen
Fachwelt, der nun auch allmählich in der deutschen (Schul-)Medizin
wahrgenommen wird.
Dies ist auch im Hinblick auf Long Covid und das sogenannte
Post-Vac-Syndrom begründet.
„Silent Inflammation” bezeichnet eine chronische, unterschwellige
Entzündung im Körper, die nicht nur von klassischen Entzündungszeichen
wie Schmerz, Rötung oder Schwellung begleitet wird.
Auslöser können neben Umweltbelastungen auch eine ungesunde
Ernährung, Stress, Schlafstörungen und allgemeine Entzündungsherde
im Körper, beispielsweise im Zahnbereich, sein. Ohne Behandlung
kann sich das Risiko für Krankheiten erhöhen und Symptome
wie Müdigkeit (chron. Fatique), Gelenkschmerzen oder allgemeine
Sensibilität verursacht werden.

Osteoarthritis
Mehrere Studien untersuchten die Wirkung einer SPMs-Supplementierung
bei symptomatischer (Knie-) Arthrose. Die Ergebnisse deuten
darauf hin, dass die kontinuierliche Einnahme von SPMs den
Schmerz bei Osteoarthritis-Patienten reduziert und die Lebensqualität
verbessert. SPMs bieten einen pro-resolving Ansatz zur Verbesserung
der Schmerzen und Prävention von Posttraumatischer Osteoarthritis
(PTOA) nach Gelenkverletzungen, da sie die Entzündungsresolution
ohne Immunsuppression fördern.
Entzündliche Darmerkrankungen (IBD)
Bei entzündlichen Zuständen wie infektiöser Kolitis und
IBD ist die Darmschleimhaut (intestinal mucosa) beeinträchtigt.
SPMs spielen eine wichtige Rolle bei der Resolution von
Entzündungen und der epithelialen Reparatur. SPMs können
die Funktion der Darmbarriere stärken, Immunreaktionen bei
Kolitis und Darmkrebs modulieren und die Zusammensetzung
der Darmmikrobiota beeinflussen.
SPMs (wie LXA4, Resolvin E1, Resolvin D1, Protectin D1 und
Maresin 1) sind in der Lage, das Wachstum intestinaler Epithelzellen
(Caco-2-Zellen) und die Wundheilung deutlich zu verbessern.
Therapeutische Ansätze, die auf diese Signalwege abzielen,
sind potenziell nützlich zur Prävention und Behandlung inflammatorischer
Erkrankungen des Darms.
Autoimmunerkrankungen und Rheuma
Rheumatoide Arthritis - SPMs werden aufgrund ihrer Rolle
bei der Förderung der Entzündungsresolution auch bei der
Wiederherstellung der Gewebehomöostase untersucht. SPMs
besitzen in diesem Kontext pro-resolutive, protektive und
immunoresolvierende Eigenschaften. Es wurde beobachtet,
dass ein verändertes SPM-Profil mit verschiedenen rheumatischen
Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, was die mögliche
Verwendung von synthetischen SPMs oder Fischölpräparaten
(als SPMs-Vorläufer) als therapeutische Option nahelegt.
IgE-getriebene Krankheiten (Asthma
und Allergie)
Bestimmte SPMs, wie Resolvin D1 stellen eine neue Klasse
potenzieller Therapeutika für IgE-getriebene Krankheiten
wie Asthma und Allergien dar.
Neurodegenerative Erkrankungen
(ZNS-Erkrankungen)
SPMs können Entzündungen wirksam lindern, die Resolutionszeit
verkürzen und die Geweberegeneration bei ZNS-Erkrankungen
beschleunigen.
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Biosynthese der
Specialized Pro-resolving Mediators
Die Biosynthese der Specialized Pro-resolving Mediators
(SPMs) wird maßgeblich durch das Vorhandensein ihrer Vorläufermoleküle
(Precursoren) und die Aktivität spezifischer Enzyme im Körper
gefördert, die diese Vorläufer umwandeln. SPMs sind Produkte
eines aktiv gesteuerten biologischen Prozesses, der als
Reaktion auf akute Entzündungsprozesse zur Wiederherstellung
der Gewebehomöostase ausgelöst wird.
Als Vorstufe für SPMs dienen Omega-3-Fettsäuren - Diese
sind die primären Vorläufer der meisten SPMs und sind essenziell
für die Bildung von Resolvinen, Protectinen und Maresinen.
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