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5G und Gesundheit

Mobilfunk und Gesundheit - Empfehlungen (2024)

"Gefahren für die menschliche Gesundheit können beim derzeitigen Forschungsstand nicht ausgeschlossen werden."
Die Aussage beschreibt einen wissenschaftlichen Sachverhalt, der die Mobilfunkdebatte seit Langem begleitet und sich trotz jahrzehntelanger Forschung nicht ausräumen lässt. Im Gegenteil, in einigen Bereichen kann es kaum noch angezweifelt werden. Dennoch sind die Positionen der sog. Grenzwertgremien, insbesondere der ICNIRP, ein in München ansässiger Verein, auf einer fast schon dogmatisch anmutenden Position festgefahren. Der Verein wird von Physikern und Elektroingenieuren dominiert, die ihr Konzept der Strahleneinwirkung auf den rein thermischen Bereich reduzieren.
Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die angebliche Vorsorgepolitik der Bundesrepublik Deutschland im Bereich Mobilfunk als systemische Immunisierungsstrategie unter dem Deckmantel der Vorsorge, bei der Risiken bagatellisiert und spitzfindige Rhetorik als Langzeitstrategie eingesetzt wird.
In umfangreichen Veröffentlichungen appellieren bedeutende Wissen-schaftler und Mediziner sowie mittlerweile unzählige Ärzte an eine Vorsorge- und Schutzpolitik, die sich aus Erfahrungen der alltäglichen Praxis ergibt.

- Der „Freiburger Appell“ von 2002 hatte mit den „Bamberger“ und „Oberammergauer Appellen“ von 1999 seine direkten inhaltlichen Vorläufer. In diesen warnten praktizierende Ärzte basierend auf ihren klinischen Beobachtungen bei Patienten in der Nähe neu errichteter Mobilfunkmasten früh vor einem spezifischen Syndrom aus Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Tinnitus.
Diese Appelle markieren neben anderen aus U.K. und Frankreich, den Beginn der klinisch-ärztlichen Warnung, die der rein technischen Betrachtung der Behörden gegenüberstand.

- Im Jahr 2011 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hochfrequente elektromagnetische Felder (wie sie beim Mobilfunk entstehen) als „möglicherweise krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2B) ein. Diese Einstufung basiert auf erhöhten Risiken für Gliome (eine Form von Hirntumor) bei starken Handynutzern in einigen epidemiologischen Studien sowie unterstützenden Befunden aus der Tierforschung.

- Seitdem fordern zahlreiche hochrangige Gremien (Europarat, Europäisches Parlament, WBGU der Bundesregierung) aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten und neuen Studienlagen ein strenges Vorsorgeprinzip.

- 2018/2020: Die bislang größten Tierversuche im Rahmen der US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP)-Studie und des italienischen Ramazzini-Instituts ergaben klare Hinweise auf krebserregende Wirkungen (Herztumore bei männlichen Ratten) durch Mobilfunkstrahlung, die unterhalb der geltenden Grenzwerte lag.

- 2022 – Europäische Umweltagentur (EEA):
Nach wiederholter Forderung nach sofortigen Vorsorgemaßnahmen veröffentlichte die EEA einen umfassenden Bericht mit dem Titel, Emerging chemical risks in Europe – PFAS & Electromagnetic Fields und stellte erneut klar, dass die wissenschaftlichen Hinweise auf Risiken stark genug seien, um sofortige Vorsorgemaßnahmen zu rechtfertigen.
Die EEA zieht darin eine explizite Parallele zur historischen Unterschätzung von Risiken durch Asbest, Blei im Benzin und Tabak. Zudem kritisiert sie das systematische Ignorieren der „athermischen“ (nicht durch Wärme verursachten) biologischen Effekte in der aktuellen Regulierungspraxis.
Die eigentliche Logik dahinter ist also: „Die Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre geben uns keinen Anlass, die bereits aufgestellten Warnungen zu entkräften – im Gegenteil, sie verdichten sich immer weiter”

Die Tatsache, dass eine potenzielle Gefahr lange diskutiert wird, ohne dass sie eindeutig widerlegt oder bewiesen werden kann, ist kein Argument für ihre Harmlosigkeit. Es ist ein Argument dafür, dass das Risiko komplex, langfristig und schwer in einzelnen Studien zu fassen ist – und damit besonders ernst zu nehmen ist.

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg unterstützt im Jahr 2024 folgende Forderungen:
- vorurteilsfreier Umgang, Diskussion der Problematik elektromagnetische Felder
- Intensivierung der Forschung im Hinblick auf Gesundheits-Gefahren / -Schäden beim Menschen durch elektromagnetische Felder
- Schaffen von mobilfunkfreie Zonen u.a. in öffentlichen Einrichtungen (Bus, Bahn, Schule, Hochschule, Verwaltung, Kliniken) aber auch im privaten Bereich (Schlafzimmer)
- Senkung von SAR-Werten (SAR: „spezifische Absorptionsrate“ als Maß für die Energieaufnahme gepulster elektromagnetischer Felder durch z.B. Handy am Ohr / in einer Kleidertasche bei Nutzen eines headset) bei Mobilfunk-Geräten. (Anm.: die geltenden Werte gibt es seit 1998)
- Neufassung der Grenzwerte auf der Basis medizinisch-biologischer Kriterien
- SAR-Grenzwerte sollten entsprechend dem ALARA (as low as reasonable achievable) Prinzip bei Mobilfunkgeräten eingehalten werden
- Die Kennzahlen (SAR, Frequenz, elektrische Feldstärke, Leistungsdichte) müssen auf den Mobilfunkgeräten ausgewiesen werden
- Europaweite Koordination von Studien, Anwendung einheitlicher Studienstandards durch Industrie-unabhängige Institutionen ? Einrichtung einer Koordinierungsstelle zur Sammlung von Meldungen über „Mobilfunk- Nebenwirkungen“, auch für Elektrosensible
- Vermehrte Untersuchung psychosozialer Folgen der Mobilfunktechnologie unter Einbeziehung ärztlich-psychotherapeutischer, soziologischer Expertise - transparentes Recycling von Mobiltelefonen
- Anstreben einer geringstmöglichen Zahl von „Funkmasten“ und gemeinsame Nutzung von Funkmasten durch verschiedene Betreiber
- an öffentlichen Einrichtungen, insbesondere an Schulen: Bevorzugung von LAN- Verbindungen oder neuerer technischer Alternativen W-LAN muss leistungsgeregelt sein, bei Nicht-Gebrauch (automatisch) ausgeschaltet werden
- Intensivierung zur Information / Aufklärung, Anleitung insbesondere von Familien, Kindern und Jugendlichen zu Risiken / die Gesundheit möglichst gering schädigender Nutzung digitaler Techniken

Hinweise für Kinder, Jugendliche und Eltern:
- Mobiltelefone und Laptops möglichst wenig und nur kurze Zeit nutzen
- „Der Abstand ist Dein Freund“: Mobilfunkgeräte nur mit einem Mindestabstand zum Körper benutzen
- keine Nutzung von Mobilfunkgeräten in „abgeschirmten“ Einheiten, wie Auto, öffentlichen Verkehrsmitteln
- Verwendung von Freisprechanlagen
- zuhause Nutzung möglichst schnurgebundener Systeme (LAN) – Meiden von DECT- Standardgeräten
- Insgesamt zurückhaltende, eng zeitlich begrenzte Mediennutzung durch Kinder, überwiegend begleitet von ihren Eltern
- unbegleitete Nutzung von Smartphones erst ab dem Alter von 12 Jahren

Fazit
In dem Papier der Landesärztekammer wird mit aller Deutlichkeit gefordert, dass der Schutz der Gesundheit Vorrang vor kommerziellen Interessen und Bequemlichkeit haben muss. Es ist ein dringender Appell an die Politik, das Vorsorgeprinzip endlich ernst zu nehmen und die Gestaltung der Digitalisierung an medizinischen statt an rein technischen oder wirtschaftlichen Kriterien auszurichten.

   

Quellangaben / Links
Mobilfunk und Gesundheit - Landesärztekammer Baden-Württemberg (PDF)
EMF Portal der Uni Aachen - Epidemiologische Studien zu Mobilfunk
Weitere Appelle von Medizinern und Wissenschaftlern
Eisenüberschuss und Schwermetalle
Mastzellaktivierungssyndrom/MCAS und Elektrosmog
Studien-Übersichtsarbeit der Universität Basel, Schweiz - Mai 2021 im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zu oxidativem Stress
Neuroinflammation und Neurostress durch Elektrosmog

     
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